CH-9°

9-ter Längengrad

Allgemeine Info

Was ist die Schnittmenge von Bierideen und einer durchzechten Nacht?

Die Idee dem neunten Meridian zu folgen entstand bei der Suche nach einem Weg über die Alpen. Als Hilfsmittel diente eine Strassenkarte. Wir stellten uns die Bedingung, dass wir von diesem neunten Längengrad nicht mehr als fünf Kilometer in östlicher sowie in westlicher Richtung abweichen wollen. Das praktische daran ist, dass sich die Anzahl der benötigten Karten in Grenzen hält, was bei diesen vielen zu überwindenden Höhenmeter behilflich ist.

Planung

Ausrüstung

Etappen

1.Tag Obersee Klöntalersee

Mit dem Bus (muss am Vortag reserviert werden) fahren wir von Bahnhof Näfels-Mollis nach Obersee. Nach Kaffee und frischen Nussgipfel wandern wir zur Oberseestafel, wo wir links abbiegen und ca. 200m über die Wiese bis zu einem Stall gehen. Danach beginnt der nicht so gut sichtbare steile Aufstieg zur Grapplialp. Mit leichter Kletterein geht es zum Punkt 2012 (Fanen) und über Wiesen zum Rautispitz (2883). Über einen leicht exponierten, aber gesicherten Weg erreichem wir den Wiggis (2836 müM). Kurz danach beginnt der steile Abstieg durch das Ober Bütxi via Mittlere Stafel zum Vorderer Planeggen. Beim Punkt 1490 geht es weiter steil zum Klöntalersee (Rohdannenberg) hinunter. Verschwitzt springen wir in den kalten See und aalen uns an der Sonne am Zigger-Beaches.

Panorama vom Wiggis: Links beginnend mit Rautispitz, Säntis, Mürtschenstock, Glärnisch, ...

2. Tag Klöntalersee-Braunwald

Der Glärnisch von Klöntalersee aus gesehen ist schon beeidruckend. Eine steile schwarz Felswand! Wir können uns nicht vorstellen, wo hier ein Weg hinauf führen soll. So folgen wir den gelben Wegweisern und hoffen, dass uns die auf den Vorderglärnisch führen.

Wir beginnen zügig mit dem Aufstieg. Beim Hinter Saggberg verlassen wir die bequeme Strasse und zweigen nach links, über eine schöne flache Wiese, auf den Weg ab, der hinauf zur Alp Gleiter hinaufführt.

Eine Wanderschnitte (Farmer) gibt uns Energie. Die steilen, felsigen Stellen sind gut mit Fixseilen versehen, so dass wir ohne Probleme die Alp erreichen. Entlang des Geröllfeldes Glärnischplanggen steigen wir bis zum Punkt 2087 auf, bevor wir zur Furggle traversieren. Auf dem Pass sehen wir endlich gegen Süden, den Weg den wir noch vor uns haben.


Etappe vom Klötal gesehen

Spannender steiler Aufstieg, dank den Fixseilen kein Problem!

Vorderer Glärnisch Furggle

Wir haben die Karte lange studiert. Der Weg vom Vorderglärnisch hinab ins Sienentobel ist nur teilweise eingezeichnet. Und tatsächlich! Der Blick hinab verspricht nichts gutes. Eine steile Geröllhalde, in der beim besten Willen kein Weg zu erkennen ist!

Der Weg hat tatsächlich den Charakter einer Schlüsselstelle!

Der Abstieg ist wirklich steil. Der Blick hinunter ins Tal ist beeindruckend. Das Geröll liegt zum grossen Teil lose auf dem steilen Weg. Es lösen sich immer wieder Steine und fallen in die Tiefe. Nach endlos langer Zeit hört man den Aufprall in Tal. So lässt sich erahnen wie tief der Abgrund ist.

Zum Glück sahen wir erst im Nachhinein, wo wir durchgelaufen sind

(Vorderer Glärnisch Abstieg von der Furggle).


Nach einigen einfachen Kletterstellen um den Punkt 1998 ist das schlimmste überstanden. Wir erreichen etwas flacheres Gelände. Der Weg ist allerdings in der Wiese nur schlecht erkennbar. An einigen Stellen müssen wir nach der nächsten Markierung suchen.

Die Wiesen im Sienentobel werden zum grossen Teil nicht mehr bewirtschaftet. Die ehemaligen Alphütten sind entweder zu Wochenendhäuschen umgebaut oder am zerfallen. Die Wiesen darum verwildern zusehens. Das Vorwärtskommen im Gestrüpp mühsam.

Wir wollen nicht zuweit absteigen, da wir auf der andern Seite des Tobels wieder hinauf müssen. Wir versuchen das Tal auf der Höhe von etwa 1400 Meter zu traversieren. Das ist aber gar nicht so einfach, da der Bach scheinbar vor gar nicht langer Zeit Hochwasser hatte, und eine Menge Geröll angehäuft hat, welches wir jetzt an geeigneter Stelle überqueren müssen.

Nach einer Kaffeepause (Jetboil) gehen wir weiter hinauf zum Oberstafel.

Der Weg führt weiter, vorbei am Guppensee hinauf zum Ijenstock dann wieder hinab zum Oberblegisee. Eigentlich nicht sehr viele Höhenmeter, aber doch ein rechter Riemen.

Im Mittel Stafel, einem Restaurant, verkneifen wir uns die Einkehr. Wir wollen jetzt nur noch nach Braunwald. Nach einer guten Stunde erreichen wir das Dorf. Im ersten Hotel an dem wir vorbeikommen, fragen wir nach einem Zimmer.

Das Bier ist sehr fein!

3. Tag Braunwald-Brigels

Wir fahren mit dem Braunwaldbähnli hinunter nach Lintal. Dann gehts weiter ins Tal hinein bis nach Tierfehd, der Talstation des Seilbähnlis, mit dem wir wieder hinauf bis auf 1800 müM fahren. So sparen wir uns doch drei Stunden wandern. Wir würden sonst wohl kaum bis nach Brigels kommen. Die Seilbahn wird vor allem von den Arbeiter der Limmerenseestaumauer benutzt. Die Fahrzeiten der Seilbahn sind auch ganz nach dem Arbeitsbeginn, der Mittagspause und dem Arbeitsende ausgerichtet. Dazwischen fährt die Bahn nur selten. Wir haben Glück und erreichen gerade das Mittagsbähnli. Oben warten die Arbeiter schon, endlich zum Zmittagessen ins Restaurant im Tierfehd zu fahren.

Die Seilbahn führt steil hinauf. Ist man erst einmal bei der Bergstation angekommen, gibt es zwei Möglichkeiten, weiter zum Kistenpass zu gehen. Die eine führt durch einen Tunnel Richtung Limmerensee. Zur Zeit sind Bauarbeiten im Gange und der Tunnel nur mit dem Bus befahrbar. Normalerweise lässt sich der Tunnel aber zu Fuss begehen (wäre aber nicht erlaubt).

Wir wählen den anderen Weg, der gleich neben der Seilbahn steil hinaufführt. Für Schwindelfreie ist die steile Traverse über die Wiese kein Problem. Die andern vermeiden den Blick in die Tiefe und das Nachdenken über Fallphysik und Reibungskoefizienten besser. Es ist erstaunlich, wie der Weg durch den steilen Hang führt. Wenn man hinaufschaut, kann man sich nicht vorstellen, dass man ohne anspruchsvolles Kletter hinaufkommen soll.

Nach einer Stunde erreichen wir eine wunderschön flache Wiese auf der wir zwischen Eisenhüten Zmittag essen.


Unser Zmittag-Platz mit Blick Richtung Tödi

Dann gehts hinauf zum Nüschen einer breiten Geröllmulde. Das Gelände wird hochalpin. Weiter hinauf zum Muttenwändli, oberhalb davon, auf einer Ebene gelegen, steht die SAC-Muttseehütte. Die Hüttenwärtin empfiehlt so eindringlich, doch noch bis nach Brigels zu gehen, dass wir den Verdacht nicht loswerden, dass sie an diesem Abend keine Lust aufs Kochen hat. Oder stinken wir etwa so stark?


Muttenwand


Muttseehütte




Wie Wie heisst dieser Pass? Ist doch ganz klar, Kistenpass. Leider war es nur Leergut.

4. Tag Brigels-Trun

Trotz des reichhaltigen Frühstücks kommen wir heute morgen nicht so richtig auf Touren - die Füsse sind lädiert, die Beine sind schwer und der Weg nach Surrein nicht sehr spannend. Gegen zehn Uhr machen wir uns auf die Blasenpflaster (Socken). Damit wir unseren 5km-Korridor nicht verlassen, müssen wir gleich hinter Brigels via Crap Marsch durch dichtes Gebüsch steil zur Strasse nach Dardin runterstechen. Danach geht es an der Bergflanke auf einer Drittklassstrasse über Capeder, Schlans, Trun nach Surrein. Dazwischen versuchten wir uns mit mehreren Kaffees (Dank sei Jetboil) zu dopen. Die Strecke muss uns so arg mitgenommen haben, dass uns eine aufmerksame Frau vor Rabius mit einer Glace verwöhnte.

Fauler Tage


Kaffeepause

5. Tag Surrein - Motterascio Hütte CAS

Im Frühtau zu Berge, wir gehn fallara, ... Heute tönt es wieder fröhlicher. Leicht fröstelnd (der erfahrene Wanderer startet leicht unterkühlt) steigen wir von Surrein (Punkt 917) das Val Sumvitg Richtung Terri-Hütte auf. Der gute Weg führt zuerst durch den Wald zur Strasse zum Runcahez-Stausee. Diesen Wegabschnitt könnte man auch mit dem Bergtaxi machen, wodurch man ca. 2 Stunden Weg sparen könnte. Es geht weiter über die wunderschöne Alp Val Tenigia. Danach beginnt der "stotzige" (steil) Aufstieg zur Cabana da Terri. Weil diese Hütte so eine schöne Terrasse hat, konnten wir uns eine längere Pause nicht verkneifen. Danach wanderten wir via den Punkt 2264 über die Greina zur Motterascio Hütte. Diese bietet zwar einen riesigen Komfort, doch fehlt ihr und der Hüttenwärtin der Scharm.

Alp Val Tenigia

An der Pforte zur Greina, im Hintergrund die Terri-SAC-Hütte mit schöner Terrasse

Plaun la Greina

6. Tag Motterascio Hütte CAS - Dangio

Zum Glück ist das Brot das es in der Hütte zum Zmorge gibt nicht grau, sondern nur hart. Denn grau werden wir an diesem Tag noch genug haben. Um das festzustellen genügt ein Blick aus dem Fenster. Wir schieben den Abmarsch immer wieder um eine Kaffeelänge hinaus.
Nach dem Start merken wir aber bald, dass der Regen eigenlich gar nicht so schlimm ist. Trotzdem gehen wir möglichst schnell hinab zum Lago di Luzzone. Dann entlang des Sees bis zur imposanten, sicher 100 Meter hohen Staumauer. Es gibt zwei Wege von hier hinüber ins Val di Carassino zu kommen. Der eine führt über den Pass Muazz, der andere durch einen schmalen Tunnel unterhalb des Passes. Da inzwischen der Regen doch recht stark geworden ist, fällt uns die Entscheidung, trotz der schönen Landschaft, für den Tunnel leicht.
Das Tal ist fast 10 Kilometer lang, nur leicht ansteigend und endet schliessliche auf dem Passo di Piotta. Dort befindet sich auch die Adula SAC Hütte. Eigenlich hatten wir geplant, hier zu übernachten und am nächsten Tag das Rheinwaldhorn zu besteigen. Bei dem schlechten Wetter entscheiden wir uns aber, ohne Einkehr in der Hütte, sofort hinunter ins Tal abzusteigen.

Nach acht Stunden im Regen marschieren kommen wir völlig durchnässt im schmucken Zielort Torre an, was im Val di Blenio (Tessin) liegt.


Torre im Valle St. Maria


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