John Muir Trail

Wanderbares Amerika - Der John Muir Trail
 

Der John Muir Trail führt auf 340 Kilometern quer durch die Sierra Nevada. Wer die Wildnis sucht, wird hier unzählige Entdeckungen machen. Vorausgesetzt er hat genügend Proviant dabei. Denn hier gibt es keine Bergrestaurants und SAC Hütten.
Der John Muir Trail verläuft zwischen dem Yosemite Vally im Norden und dem Mt. Whitney im Süden. Vom Osten und Westen her stossen meherer Seitenpfade hinzu. Der Trail durchquert vier National Wilderness Areas und drei National Parks und ein National Monument - und das ohne eine einzige Strasse zu kreuzen.
Mit der Anlage des John Muir Trail wurde 1915, ein Jahr nach dem Tode John Muirs, begonnen. 23 Jahre später war er fertiggestellt.

 

John Muir wurde 1938 in Schottland geboren. Mit diversen Zeitungsartikeln und seinem Buch Mein erster Sommer in der Sierra erregte er weltweit aufsehen, weil er die Schäden anprangerte, die die Schafherden und das massive Holzfällen in der Sierra Nevada anrichteten. Ihm zu Ehren legte man den John Muir Trail an.
 

 

 

 


Alljährlich erobern mehrere hundert unermüdliche Wanderer den Trail in seiner gesamten Länge. Die Rekordzeit für die Strecke liegt bei 4 Tagen, in normalem Wandertempo ist aber mit ca. 14 bis 21 Tagen zu rechnen.
 

Der John Muir Trail lässt sich natürlich gut in beiden Richtungen durchwandern. Zu beachten ist allerdings die extreme Höhe in die man sich schon an der ersten Tagen begibt, wenn man den Trail im Süden beginnt. In ein oder zwei Tagen ist man bereits auf dem Mt. Whitney auf 4'400 Meter Höhe. Zusätzlich kommt das Gewicht von 10 Tagesrationen im Rucksack. Wir haben den Trail im Norden begonnen da man sich so besser an die Höhe gewöhnen kann und am letzten Tag die wunderschöne Sicht vom Mt. Whitney auf die Strecke der letzten Tage.


 

Infos

Anreise Bus/Bahn
 
Mit dem Amtrak von San Francisco oder Los Angeles über Merced. In Merced am Bahnhof warten Busse ins Yosemite Valley. Vom Yosemite Valley verkehren Shuttlebusse nach Toulumne Meadows.
Am Ende des Trails am Whitney Portal gehts nur mit dem Auto weiter. Es ist aber kein Problem bis nach Lone Pine per Autostopp zu kommen.
Lone Pine ist nicht mit öffentlichem Verkehr erschlossen. Wir sind aber innerhalb nützlicher Frist per Autostopp nach Los Angeles gekommen.
Ein YARTS Bus fährt täglich von Toulumne Meadow nach Mammoth Lakes. Von dort ist es möglich per Shuttle Bus ins Devils Postpile National Monument zu fahren und wieder auf den Trail zu kommen.
Karten
 
Zu empfehlen sind die Tom Harrison Maps. Sie sind auf plastifiziertem Papier gedruckt. Die Karten sind nicht besonders detailiert (so sind z.B. keine Felsen eingezeichnet) aber für die gut markierte Route bestens geeignet.
Ebenfalls gute Karten von National Geographic in verschiedenen Masstäben findet ihr unter diesem Link.
 
Ausrüstung
 
Falls ihr eure Ausrüstung vor der Wanderung noch auf den neusten Stand bringen wollt, lohnt es sich, das in den USA zu tun. Hier liegen die Preise für Outdoor Equipement ca 30% unter denjenigen in der Schweiz. Besonders zu empfehlen ist REI, ein Laden bei dem jedes Outdoor Herz höher schlägt. Filialen in vielen grösseren Städten.
 
Permits
 
Wenn Trekker von Rangers angehalten werden, gilt deren spezielles Interesse dem Wilderness Permit. Dieses ist die Zulassungsberechtigung zum Trail und fürs Campieren. Sie kann im Yosemite Valley in der Ranger Station für den ganzen Trail gratis bezogen werden.
Wer den Trail im Süden beginnt, tut gut daran das Permit im Voraus zu beziehen, da hier wegen dem Grossandrang auf den Mt. Whitney das Kontingent frühzeitig ausgeschöft ist.
 
Verpflegung
 
Die Organisation der Verpflegung ist einige Überlegungen wert. Es ist nicht empfehlenswert, die Lebensmittel für die gesammte Strecke mitzuschleppen.
Auf dem Weg gibt es nur vier Orte an denen man sich mit Lebensmittel versogen kann, alle liegen in der ersten Hälfte des Trails:
Toulumne Meadows: (Yosemite NP) Zwischen Visitor Center und Campingplatz gibt es einen kleinen Store mit Poststelle. Der Laden ist gut sortiert. Man kann sich auch Pakete zur Poststelle schicken lassen.
Reds Meadows : Am Wendepunkt des Devil Postpile Shuttlebuses gibt es Einkaufsmöglichkeiten.
Vermillion Resort : Resort weit ab der Zivilisation. Für eine Gebühr von $15 (!!) kann man sich ein Paket mit Lebensmitteln hinschicken lassen. Kleiner Laden, eher schlechte Qualität. Alles sehr teuer. 1 Mal duschen: $5!
Muir Trail Ranch: Auch hier kann man sich Pakete hinschicken lassen. Es gibt aber keine Einkaufsmöglichkeiten.
 
Wasser
 
Das Wasser der Seen und Flüsse auf dem Trail sieht sehr klar aus. Es wird aber allgemein davon abgeraten es ohne Filterung zu trinken. Uns hat der Katadyn Mini sehr gute Dienste geleistet. Allerdings dauert das pumpen seine Zeit: 1 Mal pumpen=0.2dl Wasser. Pro Tag haben wir pro Person ca. 4 Liter benötigt...
 
Bären
 
Warnhinweise vor Bären sind allgegenwärtig im Yosemite NP. Schon beim lösen des Permits wird man über die Verhaltensregeln aufmerksam gemacht. Alle Lebensmittel und Toilettenartikel sind in einem Bären Kanister zu transportieren. Im Kanister lässt sich ca. Proviant für max. 10 Tage transportieren.
Versuche Lebensmittel mittels Seilen in den Bäumen vor Bären sicher aufzubewahren funktionieren nicht und sind nicht erlaubt!
  • Alle Lebensmittel im Kanister aufbewahren
  • Alle Toilettenartikel (Sonnencreme Seife Zahnpaste) im Kanister aufbewahren
  • Nicht beim/im Zelt kochen.
  • Kocher Kochtöpfe und Kanister nicht direkt neben oder im Zelt deponieren.
Wir haben auf dem ganzen Trail nur einmal kurz einen Bären von weitem gesehen. In der Nacht auf den Campingplätzen kann man die Bären aber manchmal auf der Suche nach essbarem hören.
 
Saison / Klima
 
In der Sierra ist im Winter extrem schneereich. Wer zu früh im Sommer startet muss auf den Pässen mit Schnee rechnen. Ab Mitte August sind die Verhältnisse zum Wandern fast perfekt. Während der drei Wochen hat es nur einmal kurz geregnet.
 

 

Für die die sich den Weg schon einmal mit Google Earth anschauen wollen, hier die Wegpunkte.

 

Tagebuch
 

26.8.2006 Anreise ins Yosemite Valley

Kaum zu glauben, aber am Amtrak Schalter in San Francisco gibt es Tickets bis in den Yosemite NP zu kaufen. Die Fahrt bis Merced mit der Bahn, dann weiter mit dem Bus bis in den Yosemite NP verläuft problemlos, bis auf den Stau, versacht durch die Besuchermassen des Nationalparks. So haben wir uns das nicht vorgestellt.
Bei der Ranger Station holen wir unser Permit für den Trail. Ausführlich erklärt uns die Rangerin wie wir in den Nationalparks zu verhalten haben. Im Gegensatz zu den Nationalparks in der Schweiz, ist Camping hier praktisch überall erlaubt. Sogar das entfachen von Feuer ist unterhalb von 10'000 Fuss erlaubt.
Nach einer guten Viertelstunde haben wir das Permit, und wir machen uns auf den Weg zum Zeltplatz im Valley.
 

27.8.2006 Aufstieg ins Little Yosemite Valley

Wir brechen früh am Morgen auf. Die ersten zwei Etappen des JMT gehören mit zu den härtesten. Es geht fast nur bergauf. Zusätzlich sind die schweren Rucksäcke noch ungewohnt. Nach einer halben Stunde geradeaus im Valley kommen wir zu Start des JMT.

 


 

Danach geht's bergauf. Der Weg ist derselbe den die Tagestouristen auch für die Besteigung des berühmten Half Dome nehmen. Auf fast 6000 Fuss erreichen wir die Vernal Falls diese imposanten Wasserfälle bilden das Endes des Little Yosemite Valleys. Der im Valley noch gemütlich daherfliessende Merced River fällt hier praktisch senkrecht 100 Meter in die Tiefe.

Am Fusse des Half Dome essen wir zu Mittag. Eigenlich wollten wir noch einige Stunden weiterwandern. Wir merken aber schnell, dass wir von der ungewohnten Anstrengung recht geschafft sind. So entschliessen wir uns, beim romantisch am Fluss gelegenen Zeltplatz zu übernachten.
Bei einem Bad im warmen, kristallklaren Fluss erholen wir uns von der Wanderung.
 

Nach einem feinen Znacht, schlafen wir diese Nacht schon ein wenig ruhiger.
 

28.8.2006 Sunrise Camp

Es geht weiter bergauf. Die Entscheidung die Nacht im Little Yosemite Valley zu verbringen stellt sich im Nachhinen als richtig heraus. Es ist auch so noch recht weit bis zu Sunrise Camp. Maya mach eine Erkältung zu schaffen, die in dieser Höhe und der trockenen-heissen Luft besonders störend ist. Wir kommen nur mühsam voran.
Wir kommen am Abend müde im Sunrise Camp an. Viele Wanderer sind schon da. Unser Zeltnachbar heisst Bruce. Auch er wandert den JMT. Wir wissen hier noch nicht, dass er auf der ersten Hälfte des Trails immer wieder begegnen wird...
Bruce, um die 60ig, kommt aus Mammoth Lakes, einer Ortschaft, ca. 100km Entfernt. Sein ganzes Leben ist er immer wieder einmal länger in den Nationalparks von Kalifornien unterweges gewesen.



 

29.8.2006 Toulumne Meadows
 

In der Nacht hat sich die Bronchitis von Maya verschlechtert, so dass wir uns entschliessen möglichst schnell nach Toulumne Meadows zu kommen. Der Weg führt zuerst flach durchs Sunrise Meadow, vorbei am Cathedral Peak. Dann auf einem langgezogenen Weg bergab zum Toulumne Meadow und der Passstrasse des Tioga Pass. Viele Yosemite NP Besucher starten von hier aus ihre Aktivitäten. So gibt es dort einen Campingplatz mit einem kleinen Laden, ein Visitor Center, eine Ranger Station sowie ein kleines Restaurant. Es wäre auch möglich Pakete an die Poststelle dort zu schicken, davon haben wir aber keinen Gebrauch gemacht. Beim Visitor Center erkundigen wir uns nach einem Campingplatz in der Nähe. Ein liebenswürdiger älterer Ranger gibt uns die benötigten Auskünfte.
 

30.8.2006 Fahrt nach Mammoth Lakes

Wir entschliessen uns den Trail ein wenig abzukürzen und fahren mit dem Bus bis nach Mammoth Lakes. Die schöne Fahrt im Abendlicht den Tioga Pass hinunter, vorbei am Mono Lake entschädigt uns ein wenig für unserer ungeplante Pause. Mammoth Lakes ist ein grösserer Skiort in der Sierra Nevada. Im Sommer sieht es allerdings recht trostlos aus. Die breiten Strassen quer durch die Ortschaft erinnern eher an den Vorort einer Grosstadt als an ein Ski Resort.
Im Motel 6 verbringen wir wieder einmal eine Nacht in einem richtigen Bett.
Der Ort hat aber auch sein Gutes. So befindet sich genau gegenüber des Motels ein feines Steakhaus, wo wir unsere Fleischration für die nächsten zwei Wochen zu uns nehmen. Ausserdem haben wir hier Gelegenheit, unnützes Geüpäck per Post nach San Diego zu schicken, so dass wir den Rest der Wanderung mit sicher 5 Kilo weniger in Angriff nehemen können.
 

31.8 und 1.9. 2006 Reds Meadow

Nicht weit von Mammoth Lakes entfernt befinden sich sechseckige, ca. 20-30 Meter hohe Basaltsäulen, die zusammen eine imposante Felswand bilden. Das ganze hat auch einen typisch amerikanischen Namen: Devils'Postpile National Monument. Der dazugehörende Parkplatz, einige Kilometer vom Monument entfernt, ist nicht weniger typisch und imposant. Alte Schulbuse bringen die Touristenmassen zu den Felsen. Wir nutzen ebenfalls diesen Bus um wieder auf den JMT zu gelangen, welcher ebenfalls am Devils Postpile NM vorbeiführt. Auf einem Campingplatz nahe beim romantischen Sotcher Lake verbringen wir die Nacht. In der Nacht hören wir die Bären die auf der Suche nach Essbarem durch den Campingplatz streifen.
Am nächsten Tag machen wir eine kurze Rundwanderung zu den Rainbow Falls und zum Devil's Postpile NM.
 

2.9.2006 Virginia Lake

Endlich geht es wieder zu Fuss weiter. Wir sind topmotiviert. Noch bevor die Sonne aufgeht packen wir unser Zelt zusammen und machen uns auf den Weg. Zuerst führt der Weg durch ein Gebiet, dass vor 12 Jahren von einem Waldbrand heimgesucht worden ist. Nomalerweise werden Waldbrände in den Nationalparks nicht gelöscht. Dieser Waldbrand musste aber bekämpft werden, da er immer näher an die bewohnten Gebite von Mammoth Lake vorgerückt ist. Es fast ein wenig deprimierend wie wenig Pflanzen und Bäume auch zwölf Jahre nach dem Brand hier wachsen. Allerdings gehören Waldbrände in der Sierra zum natürlichen Zyklus und nur so haben gewisse Planzenarten auch wieder eine Chance sich zu entwickeln.
Der Weg führt weiter bergauf zu den Red Cones, zwei kleinen aber markanten kegelförmigen Hügeln vulkanischen Ursprungs. Gleich dahinter das Crater Meadow, dem einzigen Punkt an dem wir auf dem ganzen Trail vom korrekten Weg abgekommen sind. Nach einigem Kartenlesen und GPS Konsultationen finden wir aber bald wieder zurück auf den rechten Weg.
Gleich nach dem Aufstieg am Eingang des Crater Meadow muss der kleine Bach überquert werden um ins Upper Crater Meadow zu gelangen.
Danach gehen wir weiter über den Höhenweg oberhab des Cascade Valley, immer wieder gibt der lichte Wald Blicke auf das Tal frei. Auf dem Weg begegnet uns ein vollbebackter Packer Zug mit ca. 10 Pferden und einem Füherer der dem Zug vorausgeht. Sein Tagesziel ist unser Heutiger Startpunkt, die Reads Meadows Pack Station.
An einem schönen Platz am Deer Creek essen wir zu Mittag. Kaum haben wir fertig gekocht sehen wir einen Wanderer auf uns zu kommen. Wenig später erkennen wir überrascht, dass es sich beim Wanderer um Bruce handelt, der in der Zwischenzeit die gesamte Strecke zu Fuss gemacht hat. Nach einem kurzen Chat, geht er weiter. Sein Heutiges Ziel ist der Duck Lake, ein See einige Stunden weiter.
Nach dem wir ausgiebig Energie in Form von Hörnli getankt haben, kommen wir zügig voran. Wir wir wandern weiter bis zum Purpel Lake, den wir knapp vor dem Eindunkeln erreichen. Wir stellen entäuscht fest, dass die Campingmöglichkeiten nicht optimal sind. Die wenigen guten Plätze sind recht weit vom See entfernt, und zum Teil auch schon besetzt. Wir entschliessen uns noch bis zum Virginia Lake weiterzugehen und werden von einer einmaligen Abendstimmung mit einem wundervollen Camping Spot belohnt.
Wir geniessen das Essen und gehen, nachdem wir das Wasser für den nächsten Tag gepumpt haben, in die Schlafsäcke.


 

3. und 4.9. Edison Lake

Das Tagesziel ist die Fähre über den Edison Lake, die uns zum Vermillion Resort bringen soll. Dort haben wir vor zwei Wochen ein Paket mit Lebensmitteln hingeschickt und hoffen nun, Heute Abend das Paket in Empfang nehmen zu können. Bruce hat uns gesagt, die Fähre würde um 15 oder 16 Uhr fahren. Das bedeutet für uns früh aufzustehen und am Mittag auf unsere liebgewordene Siesta zu verzichten. So machen wir uns schon im Dunkeln auf die Socken. Der Aufstieg gibt uns zum Glück warm. Kurz nach dem Abstieg zum Tully Hole erblickt Maya in einiger Entfernung einen Bären. Als ich hinblicke ist er aber schon wieder verschwunden. Ein wenig zweifelnd und enttäuscht bin ich schon. Aber der Platz an dem sie ihn gesehen hat sieht schon so aus wie man sich in der Fantasie ein Bärenwisli vorstellt. (Was mich auch ein wenig zweifeln lässt ist, dass der Schwarzbär blond gewesen sein soll... Aber wie wir später nachgelesen haben soll es das durchaus geben!)
Wir versuchen möglichst 'geräuschvoll' weiterzugehen, um den Bär zu vertreiben. Schliesslich erreichen wir den Silver Pass ohne auf weitere Bären gestossen zu sein. Der lange Weg entlang des Silver Pass Creeks ist anstrengend, und wegen des Zeitdrucks können wir auch keine längere Pause machen. Je weiter wir ins Tal kommen desto heisser und staubiger wirds. Zum Glück gehts wenigstens Bergab. Die letzen Kilometer bis zur Landungsstelle der Fähre ziehen sich in die Länge.
Wir freuen uns, als wir dann endlich müde zusammen mit Fischern und Wanderen in der Fähre zum Resort fahren.
Eigentlich haben wir uns ja auf ein wenig Zivilisation gefreut, was wir aber am Resort zu sehen bekommen ist aber eher eine Mischung aus Müllhalde, Autowerkstatt und Parkplatz. Anstelle einer gemütlichen Unerkunft gibts für die Wanderer dreckige Zelte mit je etwa 12 alten Matrazen. Die Zelte sind zwar gratis, trotzdem ist ein Tag im Resort nicht ganz billig:
 

Zum Glück erfahren wir, dass es einige Minuten entfernt noch einen Campingplatz gibt der nicht zum Resort gehört. Nach einem warmen Essen im Restaurant gehen wir müde ins Zelt.
 

5.9.2006 Evolution Valley

Mit dem Auto lassen wir uns bis zum Florence Lake fahren. Entlang dem San Joaquin River gehen wir immer im Tal bis zur Grenze des Kings Canyon National Park. Maya entdeckt auf dem Weg eine kleine schwarz-gelb gestreifte Schlange. Ich bin wieder einmal zu spät. Wir gehen ab jetzt etwas vorsichtiger und schauen auch genauer, dass wir nicht an Orte treten an die man nicht gut hinsieht. Das Snake-Rescue-Kit aus dem REI in San Francisco würden wir eigenlich gerne unbenutzt in die Schweiz zurückbringen. Ein kurzer 1000 Fuss Aufstieg und wir sind im schönen Evolution Valley. In einer einmaligen Abendstimmumg mit dunkeln Wolken, Vollmond und orangem Himmel mit Bergen essen wir unser Znacht. Noch bevor die Sonne ganz untergegangen ist, flüchte ich aber vor den Mücken ins Zelt.



 

6.9.2006 Le Conte Canyon

Nach dem Schoggiriegel-Zmorgä (ohne Kaffee!) machen wir uns auf den Weg über den John Muir Pass.Ein Aufstieg von fast 2000 Fuss liegt vor uns. Kurz nachdem die Sonne aufgegangen ist, glauben wir unseren Augen nicht zu trauen. Da kommt uns doch ein Jogger entgegengerannt. Er hat praktisch kein Gepäck dabei. Keine Ahnung woher der kommt. Wir grüssen und er ist auch schon wieder verschwunden. Wahrscheinlich ein Ranger der seinen Morgendlichen Lauf von der Le Conte Ranger Station zur Mc Clure Meadow Ranger Station absolviert. Wir ziehen gemütlicher weiter. Beim Evolution Lake kochen wir Kaffee und Tee und stärken uns für den Aufstieg.
Kurz vor Mittag nähern wir uns der Passhöhe. Inzwischen wird das Wetter merklich schlechter. Zwar wissen wir, dass es hier in Californien im Sommer so gut wie nie regnene soll, die dunkeln Gewitterwolken machen uns aber doch Sorgen. In den Alpen wären wir längst umgekehrt. Ohne Regen erreichen wir den Gipfel mit der seinernen John Muir Hütte.
Die Hütte wurde von Mittgliedern des Sierra Clubs erbaut, um den Wanderern Schutz vor schlechtem Wetter zu bieten.



Das Innere der Hütte habn sie leider nicht im gemütichen Arvenstübli Stil eingerichtet, sondern gleicht eher einer Steinhöhle. Ausserdem ist das Chemineé zugemauert. So machen wir uns auf möglichst schnell auf, vor den Wolken ins Tal zu flüchten.
Ein halbe Stunde später die ersten Regentropfen. Wir erwarten ein Gewitter und rüsten uns mit den bisher unbenutzen Regenpelerienen aus. Nur zehn Minuten später ist der Spuk auch schon vorbei. Einige dunkle Wolken, wenige Regentropfen, das war dann auch schon das erste und letzte californische Gewitter auf unserer Reise.
Am Abend finden wir einen schönen Zeltplatz Middle Fork Kings River oberhalb der Le Conte Ranger Station.
 

7.9.2006 Palisade Lakes

Heute wieder einmal ein Tag ohne Passüberquerung. Am Morgen steigen wir weiter ins Tal ab, bis zur Stelle wo der Palisate Creek den Middle Fork Kings River trifft. Dann hinauf zum Mather Pass. Zuerst durch ein Waldbrandgebiet, führt der Weg zwischen abgebrannten Bäumen hindurch, weiter oben wirds zunehmend alpin und felsig. Inzwischen sind wir gut zu Fuss. Die kleine Steigung bis zu den Palisade Lakes nehmen wir im Rekordtempo. Beim letzten der Lakes finden wir einen der letzten günstigen Camping Spots vor dem Pass. Wir entschliessen uns hier zu übernachten und den Pass am Morgen zu machen.



Am Abend treffen wir dann auf Carolyn. Auch sie plant den JMT bis zum Mt. Whitney zu gehen. Für den Rest der Reise wird sie uns auf der Wanderung immer wieder Gesellschaft leisten.
 

8.9.2006 Pinchot Pass

Im Gegensatz zu den Wanderwegen in den Alpen, sind die Wege hier so angelegt, dass sie auch problemlos mit viel Gepäck und sogar zu Pferde begehbar sind. Das heisst aber auch dass sie sich langsam in langen Serpentinen (Switchbacks) nach oben quälen. So brauchen wir auch etwas länger als gedacht, bis wir die Passhöhe erreichen und uns bei Kaffee, Tee & Schokoriegeln stärken können.
Der Weg hinunter führt in angenehmem Gefälle auf einer Moräne bis zum South Fork Kings River hinunter. Beim Fluss machen wir Siesta und stärken uns für den Aufstieg zum Pinchot Pass.
Da wir uns am Edison Lake entschieden haben, nicht bis zum Mt. Whitney zu gehen, haben wir nicht genügend Proviant bei uns. Wir versuchen durch geschicktes Einteilen die Wanderung um ein oder zwei Tage verlängern zu können. Bis zum Whitney wird es aber sicher nicht reichen. Wir entschliessen uns, eine Einkaufstour ins zwei Tagesmärsche entfernt gelegene Onion Valley zum machen. Dort soll es eine Packer Station inklusive Einkaufsmöglichkeiten geben. Allerdings müssen wir dazu den Kearsarge Pass zweimal überqueren....

Am Abend erreichen wir die Passhöhe. Wir haben noch eine Gute Stunde einen geeigeneten Zeltplatz zu finden. Im Reiseführer von Carolyn werden Problembären bei den Twin Lakes erwähnt. Zum Glück finden wir ein kleines Seelein oberhalb, von dem wir annehmen, dass es sicherer ist. Erst beim kochen stellen wir fest, dass wir nicht die einzigen an diesem Platz sind. Gleich im Wäldli nebenan hat eine Gruppe von ca. 20 Personen ihr Lager aufgeschlagen. Es ist eine organisierte Tour mit Pferden die das Gepäck tragen. Die Gruppe hat sogar einen Koch dabei, der die Gruppe mit feinem Essen versorgt.
Carolyn rät uns, doch bei der Gruppe nach Essen zu fragen. Mit komischen Gefühl gehen wir zum Lagerplatz und werden dort sehr herzlich empfangen. Die Leute sind scheinbar froh, mal mit jemanem anderen sprechen zu können.
Wir fragen nach Proviant und werden sofort zum Essen eingeladen. Zur Vorspeise wird sogar Apérogebäck gereicht, einzig der Wein fehlt. Wir üben uns fleissig im Smalltalk und erzählen von unseren Erlebnisen.
Nachdem wir gegessen haben kommt die Tourenleiterin auf uns zu, sie drückt uns zwei grosse Säcke mit Lebensmitteln in die Hand.
Wir bedanken uns und gehen überglücklich ins Zelt, um unseren neugewonnen Proviant zu bestaunen. Wir können kaum glauben was wir sehen. Mexikanisches Fladenbrot, Totillas, Schokolade, ca. 2kg Gorp ( Good Old Raisins and Peanuts) eine feine Mischung aus getrockneten Früchten und Nüssen).
Sogar Milchpulver ist mit dabei. Der Mt. Whitney ist Heute wirklich näher gerückt.
Wir freuen uns aufs Frühstück mit Brot und schlafen glücklich ein.
 

9.9.2006 Rae Lakes

Bevor wir am Morgen starten verabschieden und bedanken wir uns noch einmal bei der Gruppe. Als Abschiedsgeschenk überreicht uns die Tourenleiterin noch zwei riesige Süsskartoffeln. Das reicht sicher für eine ganze Mahlzeit! Dann machen wir uns auf den Weg zum Woods Creek hinunter. Auf dem Weg essen wir ein feines Frühstück mit dem Fladenbrot das wir bekommen haben. Obwohl alles bergab geht, sind wir erst gegen Mittag an der Wegkreuzung zum Rae Lakes hinauf. Es folgt ein anstrengender Aufstieg. Beim Dollar Lake machen wir eine kurze Pause und füllen unsere Flaschen mit frischem Wasser. Gegen Abend erreichen wir die Rae Lakes. An einem Platz direkt am See schlagen wir das Zelt auf. Wir haben noch genügend Zeit zu baden und unsere Wäsche zu waschen. Die Süsskartoffeln schmecken fein. Etwas Butter und Käse dazu hätte den Znacht aber sicher noch aufgewertet...
 

10.9.2006 Bubbs Creek

Heute liegt eine kurze Etappe vor uns. Das Ziel ist der Bubbs Creek dazwischen liegt nur der 11978 Fuss hohe Glen Pass. Die Passhöhe erreichen wir nach wenigen Stunden. Wir geniessen den Kaffee und die Sicht zurück auf die Rae Lakes. Dann gehts hinunter, auf ein flaches Hochtal in dem der Charlotte Lake liegt. Ohne Pause gehen wir weiter hinunter zur Kreuzung zum Vidette Meadow. Vor uns liegt der breite Berg East Vidette, dahinter die imposante Berkgette der King Kern Divide. Wir steigen auf bis wir uns direkt unterhalb dem Schlussanstieg zum Forester Pass befindet. Kriss hat an diesem Abend Glück, sie fängt eine kleine Golden Trout (Goldforelle) die sie auf dem kleine Spirituskocher zum Abendessen kocht. Nach dem Essen diskutieren wir bis spät in die Nacht hinein.
 

11.9.2006 Wallace Creek

Die Heutige Etappe führt über den höchsten Pass des JMT, den Forester Pass. Inzwischen sind wir aber so gut trainiert, dass uns auch die Höhe von fast 14'200 Fuss keine grossen Probleme mehr bereitet. Nach dem Austieg im Schatten und Wind freuen wir uns darauf, auf der Passhöhe in der Sonne eine Pause zu machen. Der imposante Ausblick in den Kern Canyon ist einmalig. Wir schauen uns das Panorama an und diskutieren, welcher Gipfel wohl der Mt. Whitney ist.

Unterhalb des Forester Pass essen wir, geschützt vor dem starken Wind, zu Mittag. Dann gehts weiter übers Bighorn Plateau. Wir wandern zuerst noch zwischen abgestorbenen Bäumen hindurch. Die Stämme sind von der Sonne und dem Wind gegerbt. Die Rinde längst abgefallen, so dass die kahlen Stämme orangen in der Sonne leuchten. Je weiter wir kommen desto karger wird die Landschaft. Auf dem höchsten Punkt des Plateau sieht es aus wie auf dem Mond. Nur noch Sand und Steine. Dazwischen einige Felsen, die sich aus der Ebene erheben.




 

Weiter unten im Tal wird es wieder grüner. Entlang der wenigen Flüsse die von den Gipfeln ins Tal fliessen gibt es auch wieder Wald. Und am Zeltplatz an dem wir uns verabredet haben, befindet sich sogar ein kleines Sumpfgebiet mit einer saftig günen Wiese in der wir das Zelt aufbauen können.
 

Nach dem Essen gibt es einen besonderen Luxus: Aus dem restliche Milchpulver und einem Ovo-Sport bereiten wir uns eine feine Schokolade.

12.9.2006 Guitar Lake

Eine kurze Etappe führt uns hinauf zum Guitar Lake. Wir merken bald, dass wir uns in der Nähe des berühmten Berges befinden. Wir begegnen wieder mehr Wanderern. Bei der Crabtree Ranger Station begegnen wir seit langem wieder einmal einem Ranger. Der Aufstieg zum Guitar Lake ist kurz. Wir sind schon früh am Nachmittag dort. Endlich haben wir eimal Zeit zu lesen und in Ruhe Wasser zu pumpen.
Woher der Guitar Lake hat seinen seltsamen Namen hat, lässt sich mit einem Blick auf die Karte schnell feststellen. Der See hat die Form einer klassischen Gitarre, wobei der Hals Richtung Kern Canyon zeigt und der Korpus zwischen Mt. Russel, Whitney und Hitchcock zu liegen kommt.
David, ein JMT Wanderer der den ganzen Trail mit wenigen Schokoriegeln gewandert ist, gesellt sich zu uns. Er weigert sich aber, etwas von unserm Essen zu nehmen. Er meint die Beschränkung des Essens sei für ihn 'Part of the Challenge'. Wir fragen uns, wie er so abgemagert am nächsten Tag auf den Whitney kommen soll. Allerdings ist er nicht zum ersten Mal hier. Bereits im Frühling hat der den Berg, als noch eine Menge Schnee lag, mit Steigeisen und Pickel bestiegen.
Beim Sonnenuntergang leuchtet der Himmel orangerot. Die dunkeln Wolken davor und die hohen Berge darumherum lassen die Szenerie wie auf einem grossen Kunstwerk erscheinen.
Nachdem die Sonne untergegangen ist wird es schnell kalt. Der Guitar Lake liegt immerhin auf gut 3'800 m. Wir gehen schnell ins Zelt. Wir überlegen ob David nun ohne Schlafsack auf einem Felsen liegt um so einen weitern part of the challenge hinzuzufügen.
 

13.9.2006 Mt. Whitney

Früh am Morgen gehts los. Mit Taschenlampen bewaffnet machen wir uns noch im Dunkeln auf den Weg. Auf halber Höhe zum Trail Crest sehen wir wie die Sonne am gegenüberliegenden Mt. Hichcock aufgeht. Auf dem Grat angekommen deponieren unser Gepäck unter einem Felsen. Der Aufstieg führt nun über den Grat zum Gipfel. Die Ost und Westansicht des Berges ist völlig unterschiedlich. Von Western her eher flach mit Geröll bedeckt, fällt der Berg im Osten über eine felsige Wand fast senkrecht in die Tiefe. Der Weg führt nun auf dem Grat entlang dieses Abrundes in die Höhe bis auf den Gipfel. Allerding ist der Weg gut ausgebaut, so dass der Aufstieg, ausser der dünnen Luft, keine grösseren Probleme bereitet. Wir sind früh dran, trotzdem begenen wir schon jetzt recht vielen Bergsteigern. Die meisten sind Heute Morgen von einem Platz auf der Ostseite her aufgebrochen. Auf dem Gipfel sind schon einige vor uns eingetroffen. Trotdem ist er noch nicht überfüllt. Alle paar Minuten treffen jedoch weitere Wanderer ein. Wir bestaunen die Aussicht vom Gipfel. Vorallem der Blick hinunter ins dunstige Owens Valley und Lone Pine ist beeindrukend. Fast 3500 m in die Tiefe. 2000m davon werden wir Heute selbst noch hinuntersteigen.
Um 10 Uhr beginnen wir mit dem Abstieg. Nun gegen Mittag ist der Weg ist überfüllt wie der Üetliberg an einem sonnigen Wintertag. Praktisch jede Minute kreuzen wir Wanderer, die immer noch aufsteigen. Bei vielen zweifeln wir ob sie den Gipfel noch erreichen werden. Der Weg ist nicht wirklich schön. Eine richtige Wanderautobahn. Die vielen Leute hinterlassen auch neben dem Wanderweg ihre Spuren.

Beim Outpost Camp essen wir unsern letzten GORP. Immer noch liegt ein gutes Stück Abstieg vor uns. Die langen Switchbacks scheinen Heute länger den Je. Schon von weitem kann man das Whitney Portal sehen, so richtig näher kommen wir aber scheinbar nicht. Wir hoffen auf Glace und Bier.
Am früheren Abend kommen wir dann endlich an. Am Kiosk gibt es Hamburger und Pommes Frites. Wir geniessen das Essen. Wenig später kommen immer mehr JMT Wanderer. Es scheint fast, als wären wir hier zu Hause. Alle setzen sich zu uns an den Tisch.
Etwas später fahren wir per Autostopp nach Lone Pine.
Wir nehmen ein Zimmer im Withney Motel. Doch so richtig freuen über Dusche und Matratze können wir uns im stickigen Zimmer nicht.


 

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